"Bilde dich selbst, und dann wirke auf andere durch das, was du bist." WILHELM VON HUMBOLDT
In der Jahresreihe KRIEG UND PSYCHE
Die Frage, ob Geflüchtete psychisch krank sind, kann man stellen. Es stellt sich aber eher die Frage, ob ein psychisch Kranker überhaupt in der Lage ist, die Entbehrungen und Herausforderungen einer Flucht erfolgreich zu bewältigen. Und ob nicht viele – also auch psychisch Gesunde – durch Fluchterlebnisse psychisch krank werden? Die Betreuung von Menschen nach Fluchterfahrungen in der Einrichtung für Folter- und Kriegsopfer des Schweizer Roten Kreuzes in Bern oder von Flüchtlingen im Rahmen von Kriseninterventionen in Flüchtlingslagern in Afrika, dem Nahen Osten oder Süd- und Südostasien, haben den Referenten gegenüber einfachen Antworten in diesem Kontext misstrauisch werden lassen. Es gibt Menschen, die gehen aus einer Flucht gestärkt hervor, da sie das Glück hatten und in der Lage waren, Begegnungen und Ereignisse positiv konnotiert abspeichern zu können, dies vor dem Hintergrund einer schlussendlich erfolgreichen Flucht. Andere Betroffene zerbrechen fast an den traumatisierenden Erlebnissen (wie Vergewaltigung, Erpressung, Inhaftierung, Hunger, Trennung etc.) und haben den Glauben an eine gerechte Welt verloren. Ziel einer Behandlung ist es, diesen Menschen ihren Glauben wieder zu geben, um dann selbst proaktiv ihre Zukunft in einer neuen sozialen und kulturellen Umgebung gestalten zu können. Vergessen werden sie traumatisierende Erlebnisse allerdings nie, aber hoffentlich lernen, sie sie in ihre Biographie zu integrieren.
Fon 0365 2051 9803
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frank.hiddemann@ekmd.de
Referent: Prof. Dr. Dr. Peter Kaiser (Psychotraumatologe und Religionswissenschaftler aus Bremen)
Wann? Dienstag, 13. Oktober, 18 Uhr
Wo? Altenburg, Klinik für Psychiatrie Altenburg, Zeitzer Str. 28