REGION OST
 

Bildung & Begegnung

Fremdenführungen

Politische Stadtrundgänge zur Geschichte und Gegenwart der Migration

Fremdenführungen
Die Autorin Jana Huster hat für uns als Projektleiterin eine Reihe von geführten Spaziergängen ausgearbeitet. In ihrer bekannt augenzwinkernden Art wirft sie interessierte Blicke auf die Geschichte und Gegenwart von „Fremden“ in ihrer Heimatstadt Gera.

Freuen Sie sich auf ebenso amüsante wie lehrreiche Fußreisen durch die Quartiere unserer Stadt Gera!

Da die Pilotprojekte dieser Rundgänge hoffnungslos überfüllt waren, beschränken wir in diesem Jahr die Zahl der Mitläufer und Mitläuferinnen auf zwanzig. Deshalb bitten wir um eine kurze Anmeldung an info@rederei-huster.de!


Treffpunkt: 8. März 2019, 14 Uhr am Handwerkerbrunnen vor dem Südbahnhof

Führung I: „Kriminelle Ausländer“

Bei dieser Führung soll es uns um die Schattenseiten gehen. Ist die Anzahl der Straftaten wirklich gestiegen? Wie gehen die Ordnungskräfte das Thema an? Sind wir im eigenen Land noch sicher? Ein Bericht der Polizei, der Besuch bei einem Strafverteidiger und einem sozialen Träger sollen uns Aufschluss über Ursachen und Bekämpfung der Kriminalität geben.

Treffpunkt: 12. April 2019, 14 Uhr am Simsonbrunnen Marktplatz

Führung II: Vertragsarbeiter

Als im alten Gera die Textilindustrie begründet wurde, waren daran maßgeblich Niederländer beteiligt, die nach dem Willen der Gerschen Tuchmacher auch zeitnah wieder verschwinden sollten. Zur Wende 1989 waren 59.000 Vietnamesen, 15.100 Mosambiquaner, tausende Kubaner, Angolaner und einige Chinesen in der DDR zu Gast. Auch nach Gera kamen sie, aber nicht als Touristen, sondern als Vertragsarbeiter, aus mit der DDR befreundeten Ländern für einige Jahre zum Arbeiten und Ausbilden hereingeholt. Damals kaum integriert, hatten sie Wohnheime und ganze Blöcke als Unterkünfte. Auf unserer Führung „Vertragsarbeiter" besuchen wir frühere Geraer Industriestandorte und informieren uns mit Zeitzeugen über die Firmengeschichte und das Leben und Arbeiten der Vertragsarbeiter in dem jeweiligen Betrieb.

Treffpunkt: 10. Mai 2019, 14 Uhr am Brunnen Zschochernplatz

Führung III: Juden in Gera

Reden wir heute vom alten Ruhm Geras, fußt der unter anderem auch auf dem geschäftlichen Erfolg jüdischer Bürger und Unternehmer. Hermann Tietz gründete sein erstes Kaufhaus in Gera: Dieses „Hertie“ war später eine große Kaufhauskette in Deutschland. Auch andere Familien wie Biermann, Jankelowitz, Cohn, Halpert trugen zu einer florierenden Stadt bei. Es gab ein friedliches Miteinander, bis im Nationalsozialismus ebendiese Bürger, ihre Familien und Freunde verfolgt und getötet wurden. In Gera fielen dem Holocaust 212 jüdische Bürger zum Opfer. Wir begeben uns gemeinsam mit Sachkundigen auf die Spuren einiger jüdischer Familien in Gera, besuchen ihre früheren Lebensorte und Stolpersteine in der Stadt sowie die Reste der alten Synagoge.

Treffpunkt: 14. Juni 2019, 14 Uhr am Handwerkerbrunnen vor dem Südbahnhof

Führung IV: In den nahen(den) Osten

Das Viertel „Sachsenplatz“ am Geraer Südbahnhof war zu DDR-Zeiten relativ verrufen und ist jetzt auch durch den im Volksmund gegenwärtigen Titel „Klein Aleppo“ wieder auf dem Weg dahin. „Schuld“ sollen die ausländischen Mitbürger sein, die hier leben, Einzelhandelsgeschäfte und andere Lokale eröffnet haben. Ist das Viertel wirklich Brennpunkt oder findet hier endlich städtisches Leben statt? Wir erkunden den Stadtteil und lernen die neuen Mitbewohner kennen, besuchen ihre Geschäfte, die Moschee, eine Beratungsstelle der Diakonie und tauschen uns aus.

Treffpunkt: 12. Juli 2019, 14 Uhr am Brunnen Zschochernplatz

Führung V: Städtisches Leben mit den Fachkräften

„Die Fachkräfte“ ist eine Schmähbezeichnung für die neuen Mitbürger geworden. Zynisch weist sie auf diejenigen mit dem Finger, die ohne Sprachkenntnisse und anerkannten Berufsabschluss durch Krieg und/oder Armut in der Heimat nach Gera verschlagen wurden. Wir besuchen sie in der Innenstadt, wo sie kleine Gewerbeeinheiten wieder zum Leben erweckt haben. Wir lernen Betreiber von Lebensmittelläden, Dönergeschäften, Übersetzungsbüros und Nähstuben kennen und reden mit ihnen statt über sie.

Treffpunkt: 13. September 2019, 14 Uhr am Handwerkerbrunnen vor dem Südbahnhof

Führung VI: Unterwegs im Quartier – DEBSCHWITZ

Überall in Gera stehen Ladengeschäfte leer, die von Einheimischen nicht mehr betrieben werden. Grund genug, um nachzuschauen, was die neuen Mitbürger da treiben. Wir besuchen neue Geschäfte in Debschwitz, gehen gemeinsam in die Shisha-Bar, erfahren von einem Bestatter einiges über muslimische Begräbniskultur und tauchen ein in eine fremde Welt, die unsere bereichern kann.

Treffpunkt: 11. Oktober 2019, 14 Uhr Schwarzburgstraße 8, 07549 Gera

Führung VII: Unterwegs im Quartier – BIEBLACH OST

Dieser Gersche Stadtteil ist schon länger von einem schwierigen Image geplagt. Zu DDR-Zeiten eine Neubausiedlung, hat nach der Wende häufig die Abrissbirne zugeschlagen, weil viele die einst geliebte Platte verlassen haben. Wer ist übrig geblieben? Wir klingeln mal und lernen Bieblach-Oster kennen – deutsche und nicht deutsche, mit und ohne Arbeit, voller Hoffnung oder ohne Perspektiven. Gemeinsam besuchen wir das Stadtteilbüro und das Familienzentrum und erfahren mehr über Armut in Gera, die für seine Bewohnerinnen und Bewohner ein Problem darstellt.

Treffpunkt: 8. November 2019, 14 Uhr G 26, Gagarinstraße 26, 07545 Gera

Führung VIII: Deutschland zuerst? Soziale Leistungen für alle.

Heute erfahren wir endlich die Wahrheit über die wirtschaftliche Situation der Geflüchteten in Gera. Ein Termin mit der Migrationsbeauftragten der Stadt Gera und einem Expertenteam beleuchtet die finanzielle Lage: Wieviel kriegen die Ausländer? Was wird ihnen bezahlt? Wie wird ihre berufliche Entwicklung und Integration bewerkstelligt, welche Angebote gibt es? Gibt es diese beruflichen und finanziellen Angebote auch für Deutsche? Im Anschluss lernen wir Bürger vom Freundeskreis für Flüchtlinge e.V. in Gera kennen, welche aktiv Integrationsarbeit mit Sprachpatenschaften und Unterstützung in allen möglichen Bereichen anbieten. Auch besuchen wir eine kleine Erstaufnahmestelle um die Ecke und sprechen mit der dortigen Sozialarbeiterin und ihren Schützlingen. Können wir womöglich mithelfen?

13. Dezember 2019, 19 Uhr, Ort: Stadt- und Regionalbibliothek, Puschkinplatz 7, 07545 Gera

Abschlussveranstaltung: Firas Alshater liest in der Bibliothek Gera

Firas Alshater ist ein syrischer Autor und Filmemacher, der seit seiner Flucht in Deutschland lebt und arbeitet. Sein erstes Buch „Ich komme auf Deutschland zu“ war ein großer Erfolg und hat viele Menschen begeistert. Er schildert darin seine Entdeckungsreise in die deutsche Kultur und seine Erlebnisse mit den verschiedensten Themen wie Post, Fahrrad fahren, Alltagsleben. Nun erschien sein zweites Buch „Versteh einer die Deutschen“, welches Erlebnisse von seinen Lesereisen in ganz Deutschland schildert und erneut beschreibt, warum es gar nicht so einfach ist, die Deutschen über einen Kamm zu scheren – die sind genauso verschieden wie die Leute aus den anderen Ländern. Ein unterhaltsames Buch, welches uns über uns selbst und über Firas Alshater schmunzeln lässt.

Ansprechpartner: Dr. Frank Hiddemann, Tel 0365 - 230 75, f.hiddemann@eebt.de


 

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